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Wie Eratosthenes
die Erde vermessen hat
Copyright Daniela Friedl
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Eratosthenes
von Kyrene Leben und Werk
Wenn wir etwa 2200 Jahre
in der Geschichte zurückwandern, kommen wir in eine Zeit, in der Pi nur
zu einem Wert von etwa 3 bekannt war und in der ein Kreis noch nicht in 360
Grad zerlegt wurde. Das war die Zeit, in welcher man nichts über den Ursprung
des Nils wusste und man sich Gedanken über die Antipoden, die sogenannten Gegenfüßler,
die auf der anderen Seite der Erde lebten, machte. In dieser Zeit lebt Eratosthenes
von Kyrene.
Eratosthenes war Wissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes und nur im entferntesten
war er auch Vermesser. Für die Geodäsie ist er aber vor allem durch seine
Erdmessung von Bedeutung. Er war der erste, der mit wissenschaftlichen Mitteln
die Größe der Erde bestimmt hat. Eratosthenes hat aber nicht deshalb die Erde
vermessen, weil es ihn interessiert hat. Vielmehr war diese Erdmessung Mittel
zum Zweck. Denn Eratosthenes hatte eigentlich vor, eine Weltkarte zu erstellen
und für eine Einordnung der Strecken innerhalb dieser Karte wollte er die Gesamtgröße
der Erde ermitteln.
Wenn ich sage, wir wollen
uns 2200 Jahre zurückversetzen, dann meine ich damit genau die Zeit von 284
bis 202 vor Christus. In dieser Zeit lebt Eratosthenes vermutlich, denn über
seine Lebensdaten sind nur widersprüchliche Aussagen im Umlauf, aber diese sind
die wahrscheinlichsten. Er wurde in Kyrene geboren, was heute Libyen ist und
studierte sowohl dort als auch in Alexandria. Mit etwa 20 Jahren ging er nach
Athen zu weiteren Studien, bis er etwa 240 v. Chr. vom Ptolomäer-König nach
Alexandria berufen wurde. Dort führte er die berühmte Bibliothek von Alexandria,
während er nebenbei noch die Aufgabe zur Erziehung des Kronprinzen innehatte.
Bis zu seinem wahrscheinlich selbstgewählten Tod durch freiwilliges Hungern
(er war immerhin schon über 80) blieb er in Alexandria und widmete sich seinen
Forschungen.
Wie schon erwähnt, war Eratosthenes ein Wissenschaftler schlecht hin. Sein größtes
Charakteristikum könnte die Vielseitigkeit sein. Aus diesem Grund wurde er auch
scherzhaft "Pentathlos" genannt, was soviel wie Fünfkämpfer bedeutet. Er bekam
diesen Spitznamen wegen seinem Interesse an allen Wissenschaften und auch darum,
da er es in keiner Disziplin zur absoluten Spitze schaffte. So kam auch sein
zweiter Spitzname "Beta" zustande, was etwa "Nummer Zwei" bedeutete.
Von seinen Werken sind nur noch Fragmente erhalten. Die wichtigsten Belege über
sein Schaffen, vor allem die über die Bestimmung der Erde, sind bei Cleomedes
(150 Jahre später) und bei Strabon (200 Jahre später) zu finden. Eratosthenes war mit
Begeisterung Mathematiker, wobei das "Sieb des Eratosthenes", was ein Verfahren
zur Primzahlenbestimmung ist, uns noch heute von Bedeutung ist. Er beschäftigte
sich auch mit der Verdopplung der Würfel und anderen Proportionsproblemen. Wir
wissen, dass er astronomische Werke verfasst hat. Er beschäftigte sich mit chronologischen
Übersichten und dem Kalenderproblem. Teilweise wird erzählt, dass er zum ersten
mal Schaltjahre einführte. Nicht nur naturwissenschaftlich war er sehr bewandert,
sondern auch in der Geisteswissenschaft. So verfasste er das epische Werk Hermes
und ein Gedicht Erigone. Weiterhin analysierte er dramatische Werke, interessierte
sich für Grammatik und beschäftigte sich mit der Musiktheorie. Nicht umsonst
bezeichnete er sich als Philologe, "Freund der Wissenschaft". Für uns ist aber
seine Tätigkeit als Geograph und Vermesser am spannendsten. Auf diesem Gebiet
veröffentlichte er zwei Werke: ein 3-bändiges Werk "Geographika" mit Länderbeschreibungen,
Erdkarte und historischen Daten und ein Buch mit dem Titel "Über die Erdmessung",
welches den genauen Hergang seiner Erdmessung darstellt, uns aber leider nicht
mehr zu Verfügung steht. Darin bestimmt er die Ekliptikschiefe zu 24° mit großer
Genauigkeit und berechnet auch den Erdumfang.
| · Lebensdaten |
ca. 284 202 v. Chr. |
| ·Spitzname
Pentathlos (Fünfkämpfer): |
Mathematiker, Geograph,
Dichter, Historiker, Philologe |
| · Bibliothekar
an der großen Bibliothek von Alexandria |
| · ca.
220 v. Chr. Erdumfangsbestimmung |
| · Werke,
nur in Fragmenten erhalten: |
Geographische und
geodätische Schriften:
· "Geographika" und "Über die Erdmessung"
· Mathematische
Forschung: "Sieb des Eratosthenes"
· Poetische
Werke: "Hermes" und "Erigone" |
Die Erdmessung des
Eratosthenes
Prinzip der Erdmessung
Durch die
Kriegszüge Alexander, dem Großen und neue Seefahrten war das geografische Wissen
der damaligen Zeit stark erweitert wurden. Eratosthenes hatten dadurch den Plan,
eine neue Karte der Ökumene zu erstellen. Die Ökumene ist der bewohnbare Teil
der Erdoberfläche. Um auf dieser Karte Strecken eintragen zu können, musste er
die Größe der Erde bestimmen. Vorher war die Größe von Aristoteles zu 400000
Stadien und von Archimedes auf 300000 Stadien geschätzt wurden. Eratosthenes
wollte den Umfang aber genau bestimmen.
Dafür erdachte er sich ein wirklich einfaches und geniales Prinzip. Es waren
folgende Voraussetzungen nötig: Eratosthenes suchte sich zwei Orte, die auf
dem gleichen Meridian lagen, nämlich Syene, heute Assuan, und Alexandria. Heutzutage
weiß man, dass diese Orte nicht die gleiche astronomische Länge haben, aber der
Unterschied von fast 3 Grad war zu der damaligen Zeit kaum zu bestimmen. Weiterhin
nahm Eratosthenes an, dass die Sonnenstrahlen parallel auf der Erde ankommen.
Bekannt war auch, dass parallele Geraden, die von einer Geraden geschnitten werden,
gleiche Gegenwinkel haben. Eratosthenes wusste auch, dass ein Kreissegment, dass
von einem bestimmten Winkel ausgeschnitten wurde, gleiche Proportionen in Bezug
auf den Vollkreis hatte. Heutzutage sagt man einfach Bogenformel dazu und jeder
weiß, was gemeint ist. 
Eratosthenes wusste von Erzählungen und Reiseberichten, dass Syene auf dem Wendekreis
der Sonne liegt und dadurch zur Zeit der Sommersonnenwende mittags die Sonne
im Zenit stand, also dass Schattenstäbe keine Schatten warfen. Alexandria hingegen
lag nördlicher und man konnte von senkrecht stehenden Objekten Schatten beobachten.
Mit dieser Überlegung bestimmte er den Winkel, mit welchem die Sonnenstrahlen
auf die Erde trafen und hatte somit den Gegenwinkel im Erdmittelpunkt. Im Bild
dürfte das klar erkennbar sein.
Er brauchte nun nur noch die Strecke zwischen Syene und Alexandria und konnte
über die Bogenformel den Umfang bestimmen. Es ist ersichtlich, dass die Lage
von Syene keine große Rolle spielte, denn diese Messung kann an beliebigen Orten
des Meridian stattfinden. (Dann müsste man nur die beiden Winkel voneinander
subtrahieren.)
· Beobachtung
auf einem Meridian zur Zeit der Sommersonnenwende
· Syene:
Sonne im Zenit
· Alexandria:
Winkelmessung des Schattenwurfs eines senkrecht stehenden Objektes
· Gemessener
Winkel entspricht Zentriwinkel im Erdmittelpunkt
· Streckenbestimmung
zwischen Alexandria und Syene
· Bogenformel zur Erdumfangsbestimmung: 
Bestimmung von Winkel,
Strecke und Umfang
Jetzt stellt sich aber die
Frage, wie Eratosthenes nun genau den Winkel und die Strecke bestimmt hat.
Bei der Winkelmessung hat die Wissenschaft mit der Rekonstruktion der Bestimmung
keine Probleme, da die Berichte eindeutige Aussagen enthalten. Eratosthenes
hat demnach den Winkel mit Hilfe eines Horologiums bestimmt.
Dies
ist eine Art Sonnenuhr, die aus einer Skaphe und einem Gnomon besteht. Unter
einer Skaphe versteht man eine Halbkugelschale, die mit einer Teilung, wahrscheinlich
in 60stel des Kreises, versehen ist. In deren Mitte befindet sich ein Gnomon,
ein Schattenstab. An dem Bild erkennt man, dass der Schattenstab einen Schatten
wirft, wenn die Sonne auf das Horologium scheint. Auf diese Weise kann man den
Winkel ablesen, mit dem die Sonnenstrahlen eintreffen. Eratosthenes hat damit
einen Winkel von einem Fünfzigstel des Vollkreises bestimmt. Das entspricht
7 ° 12 '.
Bei der Streckenmessung ist man sich der Durchführung nicht so im klaren. Man
vermutet, dass Eratosthenes keine direkte Messung vorgenommen hat, sondern mehrere
Quellen miteinander verglichen hat und sich daraus die Strecke zusammensuchte.
Als Grundlagen dienten ihm die ägyptische Landmessung, die schon 2000 v.Chr.
ziemlich genau die Nillängen bestimmt hat. Weiterhin gab es Berichte von Bematisten,
welche beamtete Schrittzähler waren, die bestimmte Strecken abschritten und
topographische Besonderheiten, Flora und Fauna der Gebiete aufzeichneten. Wahrscheinlich
hat Eratosthenes auch die Aussagen von Fahrten auf dem Nil und von Kamelkarawanen
benutzt. Er erhielt letztlich einen Wert von 5000 Stadien, woran man deutlich
erkennt, dass er hier stark gerundet hat, also keine genaue Bestimmung benutze.
Wenn also diese 5000 Stadien einem Fünfzigstel des Kreises entspricht, so muss
der Vollkreis 250000 Stadien groß sein. Zu diesem Ergebnis kam auch Eratosthenes.
| · Winkelmessung
in Alexandria: |
· Gerät:
Horologium
· Messung
des Winkels zu "einem Fünfzigstel des Vollkreises" (7°12)
|
· Streckenmessung:
(zwischen Syene und Alexandria) |
· keine
direkte Messung
· Grundlage:
- ägyptische Landesvermessung
- Bematistenberichte (Schrittzähler)
- Schiffsreisen auf dem Nil
- Reisedauer von Kamelkarawanen
· Ergebnis:
5000 Stadien
|
| · Umfang: |
Berechnung mit Bogenformal
zu 250000 Stadien |
Legenden und Mythen
Wie immer, wenn etwas sehr
lang her ist und keine genauen Angaben existieren, öffnet dies Tür und Tor für
Spekulationen. So war es natürlich auch mit Eratosthenes' Erdmessung und ihr
wurden einige farbige Details hinzugefügt.
Zum Beispiel liest man immer wieder die Geschichte, dass Eratosthenes in Syene
in einen Brunnen sah und dort das Spiegelbild der Sonne erblickte. Dadurch wusste
er, dass die Sonne in diesem Punkt am Zenit steht. Diese Legende lässt sich sehr
leicht widerlegen, denn Syene liegt bzw. lag in Wirklichkeit nicht auf dem Wendekreis,
sondern einige Minuten nördlich, so dass es gar nicht möglich war, die Sonne
im Brunnen zu sehen. Außerdem war ja das clevere an der Sache, dass Eratosthenes
(nun auch schon 60 Jahre alt) Alexandria nicht verlassen musste und nur in einem
Ort eine Sonnenbeobachtung durchführte.
Ein ähnliches farbiges Detail zur Unterstützung der Vorstellung ist wohl die
Schiffahrt auf dem roten Meer. Eratosthenes soll bei einer in Nord-Süd-Richtung
verlaufenden Seefahrt bemerkt haben, dass die Schatten erst nach Norden fallen,
dann kleiner werden und verschwinden und schließlich wieder in Richtung Süden
auftauchen. Aber auch diese Angabe kann wohl eher der Phantasie eines Autor
zugeschrieben werden.
Genauso verhält es sich mit der Schilderung, Eratosthenes hätte unter persönlicher
Leitung eine direkte Streckenmessung mittels Messseilen durchgeführt, doch auch
hierfür gibt es keine Belege und die Strecke von 5000 Stadien ist dafür viel
zu gerundet.
Ein englisches Lehrbuch spricht gar von geeichten Kamelen zur Streckenbestimmung,
die etliche Kalibrierungsläufe absolvieren mussten, um herauszufinden, wie viele
Stadien sie in einem Durchlauf der Sanduhr zurücklegen.
Und auch die sehr anschauliche Aussage, dass der Winkel mit einem Obelisken oder
Turm und dessen Schatten bestimmt wurde, kann wissenschaftlich nicht bestätigt
werden. Diese hohen Steinsäulen sind für die Schattenmessung denkbar ungeeignet,
denn der Schatten bildet keine genau Spitze, sondern ist wegen der Größe der
Sonne unscharf. Außerdem hätte der Winkel dann über den Tangens berechnet werden
müssen und man käme niemals zu einem Ergebnis von "einem Fünfzigstel des Vollkreises".
· Brunnen des Eratosthenes
· Schifffahrt auf dem roten Meer
· direkte Streckenmessung
· Geeichte Kamele
· Schatten eines Obelisken
Ergebnisse
Aber wie genau war Eratosthenes
nun wirklich?
Bei einem Vergleich mit dem heutigen Wert muss man überlegen, welchen Erdumfang
man zu Rate zieht. Sicherlich ist die Bogenlänge der Meridianellipse das beste
Vergleichsobjekt, denn Eratosthenes hat ja eigentlich in Richtung des Meridians
gemessen. Diese entspricht einem Wert von 40008 km. Aber die Abplattung der
Erde spielt in seinem Genauigkeitsbereich eigentlich keine große Rolle.
Dass Eratosthenes sich seiner bedingten Genauigkeit bewusst war, sieht man
auch an der Tatsache, dass er seinen errechneten Wert von 250000 auf 252000 Stadien
korrigierte. Dieser Wert lässt sich nämlich besser durch die damalige Einteilung
des Kreises in Hexekosten (60stel) und durch Pi teilen, was mit etwa 3 bekannt
war. Oft wird das Argument gebracht, dass man die Zahl auch besser durch 360
Grad teilen kann und damit die Größe eines Grades von 700 Stadien erhält, aber
die Gradeinteilung wird eigentlich erst Hipparch zugesprochen (2. Jh v.Chr.)
Wenn wir uns nun mit der Umrechnung ins metrische System beschäftigen, taucht
gleich das Problem auf, dass es zu seiner Zeit etwa 7 gebräuchliche Stadienmaße
gab. Die drei wahrscheinlichsten sind in der Tabelle angegeben.
Die Wissenschaft nimmt heute an, dass Eratosthenes mit dem nach ihm benannten
Stadion gerechnet hat, welches einer babylonischen Normung entsprach. Somit
käme er auf ein Ergebnis von 37400 km und daraus würde sich ein Fehler
von 7 % gegenüber der Meridianellipse ergeben.
Oft wird auch von einem Stadion der ägyptischen Normung gesprochen, da sich
die Messung in Ägypten abspielte und man vermutete, dass auch ein ägyptisches
Maß verwendet wurde. Es ergäbe sich somit auch eine Abweichung von nur 1 %,
aber leider ist dieses Stadion in den alten Schriften nicht eindeutig belegt.
In vielen Lehrbücher findet man die Angabe des Umfangs mit 46800 km, welche
sich aus der Umrechnung des römischen Stadions ergibt. Da das römische Reich
eine große Macht in der Jahrtausendwende wurde, nimmt man an, dass römische Autoren
den Wert von Eratosthenes einfach mit ihrem eigenen Stadion gleichgesetzt haben
und dieser Wert somit in die Geschichte einging, aber höchstwahrscheinlich falsch
ist.
| · Vergleich mit heutigem Wert: |
Meridianellipse 40008
km |
| · Zwei Ergebnisse: |
250000 und 252000 Stadien |
| · Umrechnung in metrisches Maß schwierig: |
7 unterschiedliche
Stadienmaße bekannt (99 210 m) |
Stadion |
Wert |
Umfang |
Fehler |
Eratosthenisch |
148,5
m |
37400
km |
7
% |
Ägyptisch |
157,5
m |
39700
km |
1
% |
Römisch |
185,6
m |
46800
km |
17
% |
Genauigkeitsbetrachtung
Wenn wir nun aber die wahre
Messgenauigkeit der Erdmessung bestimmen wollen, treten etliche Probleme auf.
So wissen wir nicht viel über das Winkelmessgerät, also über das Material, die
Größe oder die Genauigkeit der Horizontierung. Da aber bekannt ist, dass Breiten
zu einer Genauigkeit von etwa 300 Stadien in der damaligen Zeit angegeben werden
konnten, geht man von einer Genauigkeit von einem halben Grad aus. Das begründet
auch, warum Syene nicht auf dem Wendekreis lag, aber dennoch dort eingeordnet
wurde. Man sagte nämlich, dass dieses Gebiet der Schattenlosigkeit zur Zeit der
Sommersonnenwende einen Umkreis von 300 Stadien hat und Syene lag etwa 250 Stadien
entfernt.
Die Streckenmessung ist der schwache Punkt dieser Erdumfangsmessung, denn es
gibt keine genauen Aussagen über die Bestimmung. Von den ägyptischen Messungen
kann man eine Genauigkeit auf 4-5 % schätzen. Bei den Angaben der Schrittzähler,
die vor allem den Nil entlanggegangen sind, ist man sich über die Genauigkeit
nicht im klaren. Sowohl das unwegbare Gelände als auch die Unsicherheit der
verwendeten Stadien lässt eine Genauigkeitsbestimmung kaum zu. Man weiß nur,
dass Eratosthenes eine Reduktion wegen den Windungen des Nils anbringen musste,
die wahrscheinlich zu groß ausfiel. Desweiteren ist uns bekannt, dass Syene und
Alexandria nicht auf einem Meridian lagen, sondern einen Längenunterschied von
etwa 3 ° aufwiesen. Auch dadurch wird die Strecke um 6 % zu groß eingeführt.
Insgesamt kann die Streckenmessung nicht genauer als mit 10% stattgefunden haben.
Mit einer einfachen Fehlerrechnung kommt man zu dem Ergebnis, dass der Gesamtumfang
mit einem mittleren Fehler von 12% bestimmt wurde. Andere Ungenauigkeiten, die
aber bei weiten die angestrebte Genauigkeit unterschreiten, sind die dass die
Sonnenstrahlen nicht parallel einfallen und dass Syene nicht genau auf dem Wendekreis
lag.
| · Winkel: |
· Messgenauigkeit
des Horologiums unbekannt
· Schätzung
auf 0,5 °
|
| · Strecke: |
· ägyptische
Landmessung 4-5%
· gewundener
Nillauf à Reduktion nötig
· unterschiedlicher
Längegrad der Orte 6%
· insgesamt
± 10%
|
| · Gesamtgenauigkeit: |
mit:
a = 7°12 ± 30
S = 5000 ± 500 Stadien

m
= 30400 Stadien à 12 %
|
· Weitere Ungenauigkeitsfaktoren: |
· Sonnenstrahlen
nicht parallel
· Syene liegt nicht genau auf dem Wendekreis |
Die Karte des Eratosthenes
Das Ergebnis seiner Arbeit
kann man anhand dieser rekonstruierte Karte nach Eratosthenes' Vorbild sehen.
Besonders daran ist die Einteilung der Karte in Rechtecke, die wiederum über
Breiten und Längen bestimmt wurden. Die Angaben, die zur Erstellung der Karte
notwendig waren, erhielt Eratosthenes wieder einmal aus Berichten von Seefahrern,
aber auch aus terrestrischen und astronomischen Beobachtungen, die besonders
den Mittelmeerraum sehr genau, aber in der Länge verzerrt, darstellen lassen.
Pytheas von Massilia war einer der ersten Mittelmeerbewohner, der so weit in
den Norden vordrang, wie die Karte reicht. So ist auch Eratosthenes' Karte die
erste, welche Großbritannien und Irland enthält. Interessant ist die Insel Thule,
die wahrscheinlich eine Landzunge von Norwegen, aber auch als Island oder Shetland
interpretiert wird. Auf dieser Karte erkennen wir deutlich, den hellenistischen
Hauptmeridian, der durch Alexandria und Syene verläuft. Beachtenswert ist auch
die Verzerrung der Spitze Indiens und die kleine Insel Taprobane, die vermutlich
Ceylon darstellt, aber auch Australien sein könnte.

| · Anlass zur Erdmessung: |
Erstellung einer Karte
der Ökumene |
· Grundlage:
|
· Reiseberichte
(v.a. Pytheas von Massilia)
· terrestrische
und astronomische Beobachtungen |
| · erstmals Einteilung in Längen-
und Breitengrade |
Bedeutung
über seine Zeit hinaus
Anhand dieser Leistungen,
die Eratosthenes vollbracht hat, ist es leicht zu erklären, warum wir Geodäten
ihn als den Urvater der Vermessung bezeichnen und warum kaum ein Lehrbuch oder
eine Vorlesung auf eine kurze Darstellung seiner Methode verzichtet. Die Erdmessung
des Eratosthenes ist lange Zeit an Methodik und Resultaten nicht übertroffen
wurden. So kommt es auch, dass seine Werte bis ins 16. Jh. verwendet wurden und
gar Galilei und Vasco da Gama bei der ersten Seefahrt nach Indien sich darauf
stützten. Oft wurden seine Werte auch mit anderen Umrechnungen verwendet, so
dass oft falsche Angaben in den damaligen Büchern standen, aber sein Verfahren
war so einzigartig, dass es noch den heutigen Gradmessungen zugrunde liegt. Zwar
wurden später bessere Ergebnisse erzielt, vor allem durch die Entwicklung der
Mechanik, aber etwas konzeptionell Neues wurde erst mit der Satellitengeodäsie
geschaffen.
Interessant ist auch, dass sich die Schulen im Astronomieunterricht wieder praktisch
mit Eratosthenes Erdmessung auseinandersetzen. So werden mit Partnerschulen
weltweit Winkel über Schatten gemessen und daraus der Erdumfang bestimmt. Na,
wenn das für Eratosthenes keine Ehre ist...
Wir können über die Genauigkeit
seiner Erdmessung nur spekulieren und über die messtechnische Durchführung sind
wir nur unvollkommen unterrichtet, aber beachtenswert bleibt die Anordnung der
Messung. Dann ist es auch kaum von Belang, ob mit 10 oder 1000 km Genauigkeit
der Erdumfang vor 2200 Jahren gemessen wurde. Allein der einmalige Gedanke und
die angewendete Methode sind es, die zählen.
· Urvater
der Vermessung
· Begründer
eines einzigartigen Verfahrens, das bis heute dem Prinzip der Gradmessung zugrunde
liegt
· Ergebnisse
bis ins 16. Jh. übernommen
· heutige
Schulprojekte nach seiner Methode
Quellennachweis
· SCHWARZ,
K. P. (1975): "Zur Erdmessung des Eratosthenes", Allgemeine Vermessungsnachrichten,
Heft 1, S. 1-12
· BRETTERBAUER,
K. (1999): "Wie Eratosthenes die Erde gemessen hat", Vermessungswesen
und Raumordnung, Heft 2, S. 73-81
· BIALAS,
V. (1982): "Erdgestalt, Kosmologie und Weltanschauung", Konrad Wittwer,
Stuttgart
· Der
neue Pauly. Enzyklopädie der Antike (1998) Metzler, Stuttgart / Weimar, Bd. 4
· BACHMANN,
E. (1965): "Wer hat Himmel und Erde gemessen?", Ott-Verlag, Thun/München
· SCHMIDT,
F. (1935): "Geschichte der geodätischen Instrumente und Verfahren im Altertum
und Mittelalter", Neustadt a. d. Haardt
· http://www.henry-davis.com/MAPS
· http://www.britannica.com
· http://www-history.mcs.st-and.ac.uk/history/Mathematicians/Eratosthenes.html
· http://www.phys-astro.sonoma.edu/observatory/eratosthenes/index.html
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